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Kletterfreizeit der JDAV im Ötztal 09/2015

Der große Vorteil an einer solchen Unternehmung ist es, wenn man auf die Planungs- und Durchführungserfahrungen ähnlicher Freizeiten in der Vergangenheit zurückgreifen kann. 2014 ging es nach Arco. Bis auf die Örtlichkeiten und das Alter der Teilnehmer sollte sich nicht allzu viel ändern, so dass die Planungen hierfür deutlich weniger Zeit in Anspruch nahm. Das Alter der Kids der Ötztalfreizeit lag zwischen 12 und 15. Bezüglich klettern in Zweierseilschaften z. T. ein nicht unkritisches Alter. So wurde im Vorfeld der Freizeit intensiv auf das Sicherungsverhalten geachtet und alle lernten das Sichern mit dem Grigri kennen, um eine höhere Sicherheitsreserve im Vergleich zum Tube zu bekommen. Ebenso lernten die Kids felsenrelevante Themen wie Umfädeln, Abseilen und Prusiken. Kurz vor der Freizeit ging es dann raus an den Felsen, um all das in der Halle Erlernte nun auch in der Praxis ausprobieren und anwenden zu können. Und hier ein großes Lob an alle: das hat super funktioniert. Wenn die Kids und deren Eltern nun noch die zur Verfügung gestellte Packliste beachten und somit nichts vergessen wird, dann kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Also, Training und Vorbereitung erfolgreich abgeschlossen! Die Freizeit kann kommen! Eine Sache ist allerdings noch zu erwähnen. Was Daria und ich auf jeden Fall vermeiden wollten, das war die ständige Verwendung der Smartphones, am Felsen oder dann in der Ferienwohnung. Insofern haben wir uns vor der Freizeit mit den Eltern (Danke für die Unterstützung.) und den Kids (Danke, dass Ihr das so mitgetragen habt.) darauf verständigt, alle Handys der Kids daheim zu lassen. Daria und ich hatten unsere Handy natürlich dabei, so dass man im Falle des Falles erreichbar wäre. Und irgendwo musste die Musik während der Freizeit ja auch herkommen. Und wie sich zeigen sollte: auch ohne Handy kann man eine tolle Woche erleben!

 

Los ging es am Freitag den 31. Juli. Ich holte gegen 17 Uhr den Bus ab und traf mich dann mit allen anderen um 19 Uhr an der Kletterhalle. Wie bei Arco 2014 sollte der Bus am Tag vor der Abreise beladen werden, um noch reagieren zu können, wenn irgendwo Probleme auftreten oder sich herausstellen sollte, dass irgendwas vergessen wurde. Es hat aber alles hervorragend funktioniert.

 

Wir trafen uns dann am Samstag den 1. August um halb sechs (vom Gesicht einiger Kids zu Urteilen war das leider halb sechs am Morgen) an der Kletterhalle zur Abfahrt. Wir kamen ohne Probleme durch und standen dann gegen halb neun vor der Ferienwohnung in Längenfeld. Nun hieß es erstmal die Zimmer zu verteilen und zu belegen sowie die wichtigsten Sachen aus den Taschen zu holen und aufzuräumen. Wobei das mit dem Aufräumen relativ zu verstehen ist. Meist hieß das Prinzip: Tasche auf, Zeug raus, fertig. Mit leerem Magen lässt sich nicht gut klettern – von der Laune der Kids dann mal ganz zu schweigen. Um diesen unhaltbaren Zustand zu vermeiden, ging es dann erst mal zum Einkaufen und gefühlt wurde der Supermarkt auch ganz gut leer geräumt. Zumindest fühlte sich der Geldbeutel nach dem Einkauf deutlich leichter an. Jetzt stand dem Frühstück nichts mehr im Weg und jeder konnte sich nach Herzenslust stärken. Am späten Vormittag und nach gefühlten fünf Minuten Zeit für die Verdauung – länger dauerte es nicht, bis alle Ihre Klettersachen geholt hatten – ging es dann auch gleich raus an den Fels nach Oberried. Jeder konnte sich in Ruhe orientieren, den Felsen in Augenschein nehmen und einen guten Einstieg in eine tolle Kletterwoche finden. Für das Abendessen war an diesem Tag Simon S. als Chefkoch zuständig. Leckers war´s. Letztlich für alle Beteiligten ein langer und ereignisreicher Tag. So kann es gerne weitergehen.

 

In der Nacht auf Sonntag den 2. August hat es lange geregnet und auch am Morgen kam noch der Eine oder Andere Tropfen runter. So blieben wir erstmal in der Ferienwohnung und spielten Karten und Gesellschaftsspiele. Irgendwann hatte das Wetter dann aber ein Einsehen und wir fuhren am späten Vormittag an die Engelswand. Dennoch dauerte es noch recht lange, bis der Felsen einigermaßen abgetrocknet war. So bekam das Granitklettern an z. T. noch recht feuchten Stellen eine zusätzliche interessante Note, aber davon ließ sich keiner stören. Alle kletterten in ihren jeweiligen Schwierigkeitsgraden und jeder war letztlich mit seinen Leistungen zufrieden. Für das leibliche Wohl hatte heute Luca die Chefkochrolle inne und jeder wurde wieder satt. Bei so viel schwarzen Löchern keine Selbstverständlichkeit. Dazu später noch mehr.

 

Glücklicherweise kann man sehr gut mehrere Tage lang in Oberried klettern. Weit und breit das beste Klettergebiet! So ging es am Montag den 3. August in das uns schon z. T. bekannte Gebiet und insbesondere Luca, Moritz und Kilian versuchten sich in einer Projektroute, mit beachtlichem Erfolg. Alle merkte schon ganz deutlich, dass man 1 ½ Tage Klettern in den Fingern hatte. Die ganzen Abläufe gingen schon recht routiniert von der Hand, jeder hatte schon deutlich an Selbstvertrauen in die eigenen Kletterfähigkeiten gewonnen und traute sich so nun auch in anspruchsvollere Routen einzusteigen. Nach zwei Tagen gingen die Essensvorräte aber schon zur Neige, so dass – und das sollte sich ab jetzt jeden Tag wiederholen – der Supermarkt erneut „geplündert“ werden musste. Außerdem brauchte Chefkoch Kilian schließlich noch die Zutaten für das Abendessen.

 

Nach 2 ½ Tagen klettern wollten wir nun eine Pause einlegen. Kaum einer war es eben gewohnt, eine Woche am Stück zu klettern und ohne eine Pause steigt da eben das Verletzungsrisiko, und das wollten wir natürlich auf ein Minimum reduzieren. Deswegen ging es am Dienstag den 4. August in einen angenehm zu begehenden Klettersteig, den Lehner Wasserfall. Die neu angelegte Passage mit der Bewertung „extrem schwierig“ wurde aber von allen problemlos bewältigt und alle hatten Ihren Spass, direkt neben einem Wasserfall einen anspruchsvollen Klettersteig durchsteigen zu können. Für die Erholung ging es dann an den Badesee in Umhausen, mit allen dazugehörigen Aktionen. Sogar die GoPro´s wurden einem Dichtigkeitstest unterzogen. Auch hier waren alle mit vollem Einsatz dabei und jeder ist auch heute wieder voll auf seine Kosten gekommen. Für das Abendessen war an diesem Tag Simon W. zuständig. Anschließend noch Spiele und dann ab in die Horizontale.

 

Als wir am Mittwoch den 5. August im Klettergebiet Haiming ankamen, da waren wir alle recht schnell ernüchtert. Wir hatten uns vom Topoführer doch mehr versprochen, als wir dann vor Ort vorfanden. Jeder kletterte zwar, aber an Anzahl der gekletterten Routen und auch ein bischen an der Stimmung war schon erkennbar, dass wir heute und in diesem Gebiet nicht allzu lange bleiben wollten. Nach einem gewonnen Kampf mit den Keksfreunden war das Alternativprogramm recht schnell gefunden und so ging es nochmal an den Umhausener Badesee. Diese unverhoffte Auszeit wurde – wie soll es auch anders sein – wieder primär im Wasser verbracht, nur Daria und ich nahmen auch mal länger die Freude am „Nichts tun“ in Anspruch. Auch wenn sich dann fast alle im Bad noch einen Burger zur Stärkung holten, vom Abendessen , heute unter Julians Hoheit, blieb dennoch nichts übrig.

 

Den Donnerstag den 6. August verbrachten wir in Nösslach. Mit nur 2 Minuten Fahrzeit von der Ferienwohnung waren wir schon recht früh am Felsen und es bildeten sich recht schnell zwei Lager. Luca und Moritz übten sich wieder im Projektieren, der Rest kletterte die Sektoren von links nach rechts durch. Gegen Mittag brach ich dann aber mit Kilian auf, um eine Mehrseillängenroute in Angriff zu nehmen. Den Standplatzbau hatten wir vorab schon geübt, so dass es bei den hervorragend eingerichteten Ständen zu keinerlei Problemen gekommen ist. Die geplante Route war leider noch total nass, aber mit der „Südwind“, 6+ und 6 Seillängen, fanden wir eine attraktive Alternative, so dass Kilian zufrieden und glücklich seine erste Mehrseillängenroute klettern konnte. Als wir wieder zurückkamen steigte Kilian noch in das Projektieren mit ein, aber der Tag neigte sich dann auch schon bald dem Ende zu, so dass auch dieser klettertechnisch erfolgreiche und tolle Tag zu Ende ging. Noch hungriger als sonst ging es dann zum Abendessen, dieses Mal unter der Regie von Moritz. Mit Hilfe diverser Chips wurde aber auch wirklich jeder satt. Müde von diesem ereignisreichen und anstrengenden Tag fiel dann aber jeder bald ins Bett.

 

Noch unter dem Eindruck des tollen Vortages war das Programm für den letzten Tag schnell definiert: nochmal nach Nösslach! So waren wir auch am Freitag den 7. August wieder zügig am Ziel und nahmen das uns schon bekannte Gebiet in Beschlag. Es gab aber noch viele Routen, die wir noch nicht kannten, so dass auch dieser letzte Tag wieder ein voller Erfolg werden würde. Das Projektierungsteam widmete sich wieder voll und ganz einer Route, während sich der Rest immer weiter in die auch entfernteren Sektoren vorarbeitete. Nur Julian lag auf dem Crashpad und las. Leider hatte er sich beim Ballspielen am Vorabend den kleinen Zeh verletzt und konnte deswegen heute nicht klettern. Das tat seiner Laune aber keinen Abbruch, so dass auch hier die Stimmung, wie bisher jeden einzelnen Tag, einfach nur gut war. Nachdem uns Moritz und Kilian noch über ein seltsames Wesen mit dem Namen „Pink Fluffy Unicorn“ aufgeklärt hatten, ging auch dieser Tag leider irgendwann zu Ende. Luca schlüpfte erneut in die Rolle als Chefkoch und wir stärkten uns dann ausgiebig. Am letzten Tag muss alles weg, so dass der Süßigkeitenvorrat oder besser gesagt dass, was davon noch übrig war, freigegeben wurde. Und oh Wunder, es blieb nichts übrig.

 

Erstaunlich fix hatte am Samstag den 8. August jeder seine Sachen gepackt. Außer Tasche auf und Zeug rein war ja auch nicht wirklich viel zu tun. Noch schnell die Ferienwohnung wieder auf Vordermann bringen, den Müll entsorgen und dann ging es auch schon los. Der viele Verkehr zwang uns zu interessanten Ausweichrouten, so dass wir erst am späten Nachmittag an der Kletterhalle ankamen und die Eltern Ihre Schützlinge wieder in Empfang nehmen durften.

 

Bis auf den einen leicht verregneten Tag durften wir uns alle über eine tolle Woche freuen. Das Wetter war immer top, die Stimmung ausgelassen, es gab keine Streitigkeiten und jeder konnte viel für sich lernen und kam glücklich und zufrieden wieder zurück. Für die Leiter einer solchen Freizeit ist das schon sehr nahe an dem Idealzustand, den man sich für so etwas wünschen würde. Für die Kids hoffentlich auch.

 

Eine Erkenntnis der Ötztalfreizeit hat sich bei mir nachhaltig im Kopf eingebrannt: die Kids in diesem Alter können wahnsinnige Mengen an Nahrungsmittel vertilgen, vorzugsweiße alles mit einem erhöhten Anteil an Zucker und Schokolade. Bei der Budgetplanung für die Kletterfreizeit im Sommer 2016 muss das auf jeden Fall berücksichtig werden, wenn nicht für alle eine Zwangsdiät wegen „kein Budget mehr da“ ausgerufen werden soll. In Punkto „Wer kann wie viel essen?“ bekommt das Bild eines schwarzen Lochs eine ganz andere Bedeutung.

 

Fazit: tolle Freizeit, klasse Kids, super Stimmung, so soll es sein!

 

An dieser Stelle vielen Dank von Daria und mir für die Gutscheine für das Castello. Eine solche Freizeit macht man als Leiter sicher nicht, um dann von den Eltern als Dankeschön etwas zu bekommen. Wir haben uns deshalb umso mehr darüber gefreut und das leckere Essen sehr genossen. Vielen Dank dafür.

 

Mit dabei waren Luca, Moritz, Kilian, Julian, Simon W., Simon S., Daria und Christian

 

Im Sommer 2016 geht es mit der Kletterfreizeit wieder nach Arco. Alle Plätze sind restlos belegt, zwei Ferienwohnungen bereits gebucht und die Vorbereitungen schon fast abgeschlossen. Der Sommer 2016 kann also kommen!

 

Christian Aye

v. l. n. r.: Moritz, Simon W., Simon S., Luca, Kilian, Julian, Daria, Christian